Spielzeit 2026/27 Hyperindividuals
Zum Saisonprogramm
Individualisierung ist ein Kennzeichen der aufgeklärten Moderne: Das Subjekt emanzipiert sich von seiner Herkunft und übernimmt Verantwortung für die eigene Biografie. In der spätmodernen Gegenwart spitzt sich diese Entwicklung zu. Lebensstile, Konsum, Meinungen und Identitäten werden immer stärker personalisiert. Digitale Medien tragen dazu bei, indem sie Selbstdarstellung begünstigen, Aufmerksamkeit ökonomisieren und die individuellen Resonanzräume algorithmisch ausweiten.
Diese Hyperindividualisierung bringt eine nie gesehene Vielfalt an Lebensentwürfen und Chancen zur Selbstverwirklichung hervor. Doch sie fordert ihren Preis: Der Druck zur Einzigartigkeit wächst und die soziale Vereinzelung nimmt zu. Eine Gesellschaft, deren normative Bezugspunkte an Bindekraft verlieren, wird fragil – und mit ihr auch ihre Individuen.
In der kommenden Saison möchten wir die Hyperindividualisierung und ihre Begleiterscheinungen wie Vereinzelung, Alleinsein und Einsamkeit hör- und erfahrbar machen. Jedes der sechs Projekte bringt dabei eine unterschiedliche Perspektive mit ein: Im Projekt 1 steht die Auseinandersetzung zweier Komponistenpersönlichkeiten mit dem Ensemble ö! im Zentrum, Im Projekt 2 geht es um die Kombination von Werkfragmenten zu einer neuen Einheit, das Projekt 3 besteht aus mehreren Wohnzimmerkonzerten, im Projekt 4 wird das Publikum selber zum Akteur, das Projekt 5 sieht eine Zusammenarbeit mit Amateurmusiker:innen und Musikschulen vor und im Projekt 6 kommt es zu einer Kooperation des Ensembles ö! mit der Musikakademie Basel und Studierenden.
Insgesamt wird das Ensemble ö! in der Saison 2026/27 fünf Kompositionen in Auftrag geben und uraufführen. Dabei werden mindestens drei Auftragswerke an junge Schweizer Komponierende vergeben werden, welche in einem Auswahlprozess definiert werden. Dieser Prozess ist per Ende April 2026 abgeschlossen.